Alice Wu, USA 2004, DVD, dt. UT, 91 Min.
"Ma" ist schwanger. Und das ohne Mann! Jetzt sitzt sie auf der Straße,
denn ihr Vater hat sie rausgeschmissen. "Ma" steht tatsächlich
für Mama; sie ist verwitwet, 48 Jahre alt und plötzlich eine Schande
für die Familie, denn alleinstehende schwangere Frauen sind in der chinesischen
Gesellschaft New Yorks überhaupt nicht gern gesehen. Schon gar nicht, wenn
sie den Namen des Erzeugers partout nicht rausrücken wollen. Die einzige
Zuflucht in der Not bleibt ihre Tochter Wil. Doch diese hat als erfolgreiche Chirurgin
schon genug um die Ohren und ist über ihre neue Mitbewohnerin wenig erfreut.
Jetzt soll sie auch noch, möglichst rechtzeitig vor der Geburt, die Mama
an den Mann bringen, die bislang immer Junggesellen für ihre Tochter angeschleppt
hat.
Die Mutter fühlt sich fremd in Manhattan, das sie als mittleren Kulturschock
erlebt. Eine Katastrophe ist für sie aber die Nachricht, dass ihre Tochter
lesbisch ist. Wil hat sich vor kurzem ausgerechnet in die bildschöne Tochter
ihres Chefs verknallt. Und die drängt sie nun, endlich mit dem ewigen Versteckspiel
Schluss zu machen, jetzt wo die Reputation der Familie ja eh schon zerstört
ist.
SAVING FACE erscheint wie die Komödie eines ausgebufften Routiniers: detailreich
und treffsicher, ebenso liebevoll wie unbarmherzig. Es ist aber der erste Film
von Alice Wu, die vorher Software programmierte. Vielleicht muss man ja so jung
und unverkrampft sein, um dermaßen frech eine konservative Gesellschaft
zu sezieren.