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vom 30. September bis 5. Oktober 2013
Paper Dolls
(Bubot Niyar)

paper_dolls
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Tomer Heymann | Israel/Schweiz 2006 | 35mm, dt. UT

Den Rollstuhl vorneweg und den Walkman im Ohr. Gloria Gaynor liefert die musikalische Untermalung für den Besuch im Tempel. Kein Gegensatz für den Altenpfleger, der den Rollstuhl schiebt. Er ist einer der „Paper Dolls“. Tagsüber arbeiten die fünf Transvestiten und Transsexuellen als Pfleger und nachts treten sie mit ihrer Gruppe in Nachtclubs auf. „Papierpuppen“ nennen sie sich: Sie sind nicht real, weil sie nicht Mann sind, aber noch nicht – oder nie – ausschließlich Frau. Nach der Arbeit vollzieht sich die Metamorphose: Hosen weg, Rock an, Rasierer, Make-Up, Lippenstift – in wenigen Minuten verwandeln sich die Männer in Frauen.

Tomer Heymann hat ein intimes Porträt geschaffen. Sein filmischer Blick ist der eines Freundes. Er begleitet die Gruppe in ihre verschiedenen Lebenswelten: das Viertel der ultra-orthodoxen Juden, in dem sie arbeiten, die Nachtclubs und Discotheken, in denen sie auftreten, und die Gegend um den Busbahnhof, wo sie und die meisten anderen Fremdarbeiter wohnen. Gekommen waren sie zu Beginn der zweiten Intifada, als Israel seine Grenzen zu den palästinensischen Gebieten schloss und damit Arbeitskräfte knapp wurden.

Es wird deutlich, wie ähnlich Israel den europäischen Gesellschaften im Umgang mit den Gastarbeitern ist. Ausgrenzung und Toleranz liegen dicht beieinander, und letztlich entscheiden Einwanderungs- und Ausländerrecht nach Gutdünken und ökonomischer Bedarfslage über Menschenschicksale. Mit viel Humor und Augenzwinkern vermittelt Tomer Heymann eine zutiefst humanistische Botschaft und heimste bei der Berlinale 2006 gleich drei Preise ein.