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vom 30. September bis 5. Oktober 2013
Nicht der Homosexuelle ist pervers,
sondern die Situation in der er lebt

nicht_der_homosexuelle
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Rosa von Praunheim, Deutschland 1970, 16mm, 70 Mi
„Werdet stolz auf eure Homosexualität! Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen! FREIHEIT FÜR DIE SCHWULEN!“

Vor dreißig Jahren wurde der Film erstmals im Fernsehen ausgestrahlt, im dritten Programm des WDR. Die Aufführung im deutschen Fernsehen wurde zum Skandal. Ein Jahr später traute sich dann die ARD - mit Ausnahme von Bayern. Mit den Aufführungen von NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS... und den an die Filmvorführungen angeschlossenen Diskussionen ging ein Ruck durch die deutsche Gesellschaft und vor allem durch die schwule Szene. Für viele Initiativen der Schwulenbewegung war dieses Ereignis die Initialzündung.

Dabei ist Praunheims Film für die Schwulen alles andere als bequem. Erzählt wird die Geschichte von Daniel. Der ist frisch in Berlin und durchlebt die Schwulenszene. Seine Stationen sind Sentimentalität, Luxus, Strandbad, Park, Klappe und zuletzt die rettende Kommune.

Praunheims Attacken richten sich gegen das eigene Lager. Die Situation, in der der Homosexuelle lebt, ist hausgemacht. Daniels Weg wird aus dem Off durchgängig kommentiert: „Schwule wollen nicht schwul sein, sondern so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger. Schwule fordern vom Schwulen, ein Ästhet zu sein. Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie, noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden. Ihre politische Passivität und ihr konservatives Verhalten sind der Dank dafür, dass sie nicht totgeschlagen werden.“ Bequem war das nicht, aber wann war Rosa schon mal bequem?

Wir gratulieren Rosa zum 60. Lebensjahr!